Dieter Wellershoff, 1925 in Neuss am Rhein geboren, ist nicht nur ein spannender Erzähler, Romancier, Hörspielautor, sondern auch noch ein brillanter Essayist von Rang. Auf die Behauptung, die Komplexität heutigen Lebens sei mit dem Roman nicht mehr zu erfassen, konterte er mit seiner Lust an einem mehrperspektivischen Erzählen. Darauf spezialisiert, Krisen von Menschen, den plötzlichen Einbruch von Unvorhersehbarem im Kreislauf alltäglicher Lebensroutine zu beleuchten, vertiefte er sich in realmögliche Lebensgeschichten und deren unausdeutbare Komplexität. Wiederholt befaßte sich der Erfahrungshungrige, von Hause aus ein Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler, mit der Kulturszene, wozu für ihn vor allem Literatur, Film und Kunst gehört, unter übergreifenden Gesichtspunkten. Er stellte die Entgrenzung und Legitimationskrise von Kunst in den Zusammenhang gesellschaftlicher Wandlungsprozesse, so in Die Auflösung des Kunstbegriffs. Mit ihm unterhielt sich Heinz-Norbert Jocks in Köln, wo er seit Jahren lebt.